Das richtige Gleitmittel
Gleitmittel – unterschätzt und oft falsch eingesetzt
Viele Männer benutzen Gleitmittel erst, wenn es ohne wirklich nicht mehr geht. Dabei kann die passende Schmierung den Unterschied machen zwischen durchschnittlichem und wirklich gutem Sex. Das gilt für Solo-Sessions genauso wie für Sex mit dem Partner.
Ich erkläre dir in diesem Ratgeber die drei Haupttypen: wasserbasiert, silikonbasiert und ölbasiert. Jede Kategorie hat ihre Stärken und Schwächen. Nach der Lektüre weißt du, welches Gleitmittel für welche Situation taugt und worauf du achten musst.

Wasserbasierte Gleitmittel: Der sichere Allrounder
Wasserbasierte Gele haben Wasser als Hauptbestandteil. Sie fühlen sich auf der Haut natürlich an und lassen sich problemlos abwaschen. Kein Schrubben nötig, keine Flecken auf der Bettwäsche.
Der größte Vorteil: Sie vertragen sich mit allem. Latex-Kondome, Silikon-Toys, Gummi-Kleidung – alles kein Problem. Wer auf Nummer sicher gehen will, liegt mit Wasserbasis richtig.
Der Nachteil: Sie trocknen schneller ein als andere Gleitmittel. Bei längeren Sessions musst du nachschmieren. Ein Spritzer Wasser oder Speichel kann das Gel reaktivieren, aber irgendwann ist Nachschub fällig.
Eine Studie an der Indiana University mit 2.453 Frauen zeigte, dass wasserbasierte Gleitmittel mit weniger genitalen Beschwerden verbunden waren als silikonbasierte Produkte. Gleichzeitig berichteten die Teilnehmerinnen bei der Verwendung von Gleitmitteln generell von deutlich höherer sexueller Zufriedenheit [1].
Für wen geeignet: Vaginalverkehr, Oralverkehr mit geschmacksneutralen Varianten, Toy-Nutzung, Anfänger.
Silikonbasierte Gleitmittel: Lang anhaltend und seidig
Silikongele bestehen aus Silikonölen. Sie trocknen nicht ein und bleiben auch nach Stunden noch gleitfähig. Das seidige Gefühl auf der Haut unterscheidet sich deutlich von Wassergelen – manche beschreiben es als geschmeidiger.
Ein weiterer Pluspunkt: Silikongele funktionieren auch unter Wasser. In der Dusche oder Badewanne werden sie nicht weggespült wie wasserbasierte Gele.
Der Haken: Silikon greift Silikon an. Toys aus diesem Material können stumpf werden oder sich zersetzen. Die chemische Reaktion zwischen Silikonöl und dem festen Silikonmaterial führt dazu, dass die Oberfläche des Toys klebrig oder sogar porös wird. Mit der Zeit kann das Toy unbrauchbar werden.
Auch bei manchen Kondomen ist Vorsicht geboten – die Verpackung gibt Auskunft, ob das Gleitmittel kompatibel ist. Mit Latex-Kondomen sind hochwertige Silikongele in der Regel aber problemlos verwendbar.
Für wen geeignet: Analsex, längere Sessions, Sex im Wasser, Nutzer ohne Silikon-Toys.
Ölbasierte Gleitmittel: Intensiv, aber mit Einschränkungen
Öle und Fette waren historisch die ersten Gleitmittel. Vaseline, Kokosöl, Babyöl – viele Männer greifen zu dem, was gerade da ist. Das funktioniert, hat aber Nachteile.
Öle zerstören Latex. Kondome aus Naturkautschuk werden porös und können reißen. Wer Kondome benutzt, muss entweder auf latexfreie Varianten ausweichen oder ein anderes Gleitmittel nehmen.
Außerdem lassen sich Öle schwerer entfernen. Sie können Poren verstopfen und bei manchen Menschen Hautunreinheiten verursachen. Bei vaginaler Anwendung können sie das Scheidenmilieu stören und Infektionen begünstigen.
Aus meiner Erfahrung im Shop: Ölbasierte Gleitmittel werden heute vor allem für Massagen und Masturbation verwendet. Für penetrativen Sex greifen die meisten Kunden zu Wasser- oder Silikongelen.
Für wen geeignet: Massage, Solo-Masturbation ohne Kondome, Nutzer latexfreier Kondome.
Hybrid-Gleitmittel: Wasser und Silikon kombiniert
Relativ neu auf dem Markt sind Hybrid-Gleitmittel. Sie kombinieren eine Wasserbasis mit einem kleinen Anteil Silikon. Das Ergebnis: längere Gleitfähigkeit als reines Wassergel, aber trotzdem wasserlöslich und meist toy-kompatibel.
Hybrid-Gele eignen sich gut für Analsex und intensivere Praktiken wie Fisting. Sie bleiben dort, wo man sie aufträgt, und trocknen nicht so schnell ein wie reine Wassergele.
Die Verträglichkeit mit Silikon-Toys variiert je nach Hersteller und dem genauen Silikonanteil. Im Zweifel vorher an einer unauffälligen Stelle testen – einen Tropfen Gel aufs Toy geben, ein paar Stunden warten und prüfen, ob die Oberfläche sich verändert hat.
Welches Gleitmittel für welchen Zweck?
Warum Gleitmittel die Zufriedenheit steigern
Die Indiana-Studie untersuchte über 10.000 Geschlechtsakte und mehr als 3.000 Masturbationssitzungen. Die Ergebnisse waren eindeutig: 70 bis 80 Prozent der Teilnehmerinnen berichteten, dass Sex mit Gleitmittel sich besser anfühlt [1]. Sie erlebten auch Orgasmen leichter und hatten weniger Beschwerden oder Schmerzen.
Die Forschung bestätigt also, was viele Anwender längst wissen: Gleitmittel macht Sex nicht nur erträglicher, sondern besser. Es reduziert Reibung, die zu Mikroverletzungen und Entzündungen führen kann. Weniger Reibung bedeutet mehr Entspannung – und entspannter Sex ist oft besserer Sex.
Interessant ist: Die Art des Gleitmittels spielte in der Studie eine geringere Rolle als die Tatsache, dass überhaupt eines verwendet wurde. Sowohl wasser- als auch silikonbasierte Produkte führten zu höheren Zufriedenheitswerten.
Praktische Tipps zur Anwendung
Weniger ist manchmal mehr – bei Silikongleitmitteln reichen oft wenige Tropfen. Wasserbasierte Gele darfst du großzügiger auftragen.
Trag das Gel dort auf, wo Reibung entsteht. Bei penetrativem Sex auf beide Körperöffnungen und den Penis. Bei Toys auf das Toy und zusätzlich auf den Körper.
Bei längerem Vorspiel kannst du schon früh Gleitmittel verwenden. Das verhindert, dass die Haut durch Reibung gereizt wird, bevor es zur eigentlichen Penetration kommt.
Wassergele lassen sich mit einem feuchten Tuch oder unter der Dusche leicht entfernen. Silikongele brauchen Seife – einfaches Abspülen reicht nicht.
Häufige Fehler vermeiden
Nicht jedes Gel passt zu jedem Kondom. Ölbasierte Mittel zerstören Latex-Kondome. Prüf im Zweifel die Packungsangabe.
Verwende niemals Silikongleitmittel mit Silikon-Toys ohne vorherigen Test. Die Reaktion kann das Toy ruinieren.
Gleitmittel mit Zusätzen wie Menthol oder Wärmestoffen können die Schleimhäute reizen. Wenn du empfindlich reagierst, bleib bei einfachen Formulierungen ohne Zusatzstoffe.
Abgelaufene Gleitmittel können ihre Konsistenz verändern oder Bakterien enthalten. Prüf das Haltbarkeitsdatum, besonders bei Produkten, die schon lange im Bad stehen.
Spezielle Gleitmittel für besondere Situationen
Für Fisting gibt es extra dickflüssige Gele auf Wasserbasis oder Hybrid-Formulierungen. Sie halten länger und bieten mehr Gleitfähigkeit bei extremer Dehnung.
Desensibilisierende Gele enthalten Wirkstoffe, die die Empfindlichkeit leicht reduzieren. Sie können bei Analsex helfen, die Muskulatur zu entspannen. Übertreib es aber nicht – Schmerz ist ein Warnsignal deines Körpers.
Sterile Gleitmittel in Einzelpackungen eignen sich für medizinische Anwendungen wie Katheterisierung oder wenn Hygiene besonders wichtig ist.
Zusammenfassung
Das richtige Gleitmittel macht Sex angenehmer und sicherer. Wasserbasierte Gele sind der sichere Allrounder für die meisten Situationen. Silikongele die langlebige Alternative für lange Sessions und Wassersport. Öle eher ein Sonderfall für Massage und Solo-Masturbation.
Für die meisten Anwendungen fährst du mit einem guten Wassergel am besten. Du kannst bei Bedarf immer noch auf Silikon oder Hybrid umsteigen, wenn du besondere Anforderungen hast.
Probier ruhig verschiedene Typen aus. Was für den einen funktioniert, muss für dich nicht passen. Die Unterschiede im Hautgefühl sind deutlich – manche bevorzugen die natürliche Konsistenz von Wassergelen, andere das seidige Gleiten von Silikon.
Shop-Hinweis
Im Webstore der A+S Lederwerkstatt findest du Gleitmittel aller Arten – von einfachen Wassergelen bis zu spezialisierten Hybrid-Produkten für intensive Anwendungen. Wenn du unsicher bist, welches Produkt zu deinen Bedürfnissen passt, schau dir die Produktbeschreibungen an.
Quellen
[1] Herbenick, D., Reece, M., Hensel, D., Sanders, S., Jozkowski, K., & Fortenberry, J. D. (2011). Association of lubricant use with women's sexual pleasure, sexual satisfaction, and genital symptoms: A prospective daily diary study. Journal of Sexual Medicine, 8(1), 202–212.
